Jochen Klein 1967-1997: Ablaufdatum in Arkadien

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Wenn es etwas gibt, was die unterschiedlichen Bildwelten Tillmans und Kleins miteinander verbindet, ist es der Widerspruch zwischen ihrem gesellschaftspolitischen Anspruch und ihren intim anmutenden Bildgenres. Die in einer idyllischen Naturszenerie nach den kitschigen Postern von David Hamilton gemalten weiblichen Akte etwa lassen vordergründig nicht auf Kleins Tätigkeit in der politisch engagierten New Yorker Kunstplattform "Group Material" schließen. Klein, der an der Münchner Akademie und am Vermont College of Art studierte, pflegte einen keineswegs denunziatorischen Umgang mit als kitschig diffamierten Malweisen. Was ihn mit Tillmans Fotos ebenfalls verbindet, ist ein - im besten Sinn - traditionelles Hantieren mit Bildgenres und Bildkonventionen. So wie manch tillmansches Stilleben wie von Flamenhand gemalt scheint, klickt Klein mit der Idylle eine weitere große europäische Bildtradition an, in der Glücksfantasien, aber auch Traumata bürgerlicher Gegenwelten abgelagert sind. Die Dialektik von Utopie und Geschichte sprach bereits Nicolas Poussin, der Altmeister der Idylle an, der als Erster den Tod und damit das Ablaufdatum nach Arkadien brachte: Seinem Bild, in dem ein Grabmal zu sehen ist, gab er den Titel "Et in arcadia ego".


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