Comandantina Dusilova: Wolfi hes e driem

Stadtleben | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Hach, wie schön ist es doch in Ösenland! Schnitzelsemmerlkauer und Käsekrainerbeißer müssen sich nicht fürchten vorm scharfen Kebab, nicht hussen auf den aromatischen Döner, und mit der Rechtschreibung vom würzigen "Bosner" tut es westlich vom multikulturellen Amstetten auch nicht mehr hapern. Alle geben sich Zwickerbussi, und auch die ärgsten Oaschlöcher haben Ehrfurcht vor der fremden Kultur. Ganz im hohen Geiste der Präambel wird gerade jetzt, gerade auch vom Hinterhofhammelbraten nicht gezögert, sich ein knuspriges Scherzl herabzufeiteln. Der Mann, "den sie Brücke nennen", der Mann, der im Bundeskanzleramt aus und ein geht, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als im Bundeskanzleramt aus und ein zu gehen, dieser Mann hat einen Traum. Der Mann, der am Ballhausplatz in einem bunt angemöbelten Zimmer seinen Geschäften nachzugehen trachtet, hat den Traum, dass ihn alle lieb haben. Schitzelsemmerlfreunde und Hammelbräter gleichermaßen. Hetzer und Gehetzte. Niemand braucht sich zu fürchten, meint der Mann, der im Bundeskanzleramt ein und aus geht. Wem will er eigentlich die Angst nehmen, den Hetzern oder den Gehetzten? Keiner weiß es, keiner außer dem Mann, der am Ballhausplatz ein, aber immer seltener aus geht.


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