Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

... wurde über ein Urteil in der Affäre Gross berichtet.

Am 22. Februar 1980 wurde durch ein Fehlurteil des Richters Dr. Weiss dem Kläger Dr. Gross Recht gegeben und Dr. Vogt (Arbeitsgemeinschaft Kritische Medizin) zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Damit wurde Gross, "der Arzt aus der NS-Mörderklinik" (Kurier, 17.12.1978), vom Vorwurf freigesprochen, "an der Tötung Hunderter, angeblich geisteskranker Kinder mitbeteiligt" gewesen zu sein. Primarius Gross wurde damit von einem österreichischen Gericht der Arztkittel weißer gewaschen, als er ihn selbst zu tragen gewohnt ist.

Gross über seine Mitarbeit an der Mordmaschinerie "Am Spiegelgrund": "Richtig ist, dass ich die Namen der Kinder, die schwer missgebildet waren, in Berlin gemeldet habe. Von dort kam dann die Order zum Mord ... So viel ich weiß, wurde niemand totgespritzt. Die Schwestern haben den Kindern das Gift ins Essen gemischt, die sind einfach eingeschlafen".

Gross wusste ganz genau, dass er an einer Mordklinik arbeitet: "Man hat ja Wahrnehmungen gemacht diesbezüglich. Wenn einem der Direktor der Anstalt mitteilt, dass etwas geschieht ... man ist ja nicht blind" (Gross am 21.5.1979).

Gross kannte also das heimtückische Mordkommando. Willfährig und gehorsam untersuchte er die Kinder, gab Meldung nach Berlin. Stillschweigend stellte er bei 238 ermordeten Kindern den Totenschein aus.

Gross auf die Frage des Richters, ob er Krankengeschichten verfasst habe, aus denen die wahre Todesursache nicht zu entnehmen war: "Das ist möglich". Die Existenz derlei bereinigter Krankengeschichten war mit ein Grund, dass die Kindermorde des NS-Regimes jahrelang verheimlicht werden konnten.

Gross, ehemaliger Mitarbeiter an der NS-Mörderklinik und Mitglied der NSDAP, ist inzwischen Gerichtsgutachter und Mitglied der SPÖ geworden. Nebenbei leitet er ein "Institut zur Erforschung der Missbildungen des Nervensystems", in dem er auch die Hirnschnitte der ermordeten Kinder wissenschaftlich archiviert.


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