Eine Weisung, bitte!

Fall Szilvassy: Dutzende, vielleicht Hunderte Täter sitzen zu Unrecht die doppelte Strafe ab. Die Justiz schläft. FPÖ-Justizminister Dieter Böhmdorfer könnte sie aufwecken. Wenn er will.

Vorwort | Florian Klenk | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Manchmal braucht es die ehrlichen Worte eines angesehenen Richters, um zu erkennen, wie Österreichs Justiz zu ihren Urteilen kommt. Im Interview mit dem Falter (siehe Seite 10) erzählt Jugendgerichtshof-Präsident Udo Jesionek, wie es möglich ist, dass ein einschlägig bekannter und wissenschaftlich äußerst umstrittener Gutachter im Auftrag der Justiz die Geschlechtsteile Hunderter Afrikaner vermisst. "Wenn man sich wo nicht auskennt, dann blättern wir in der Sachverständigenliste und suchen einen Fachmann", erklärt Jesionek.

Jeder Richter hat so eine Liste in seiner Schublade. Auf ihr werden dann bekannte Experten fett eingerahmt. Manchmal heißen sie auch Heinrich Gross. Oder Johann Szilvassy. Jeder Gerichtspraktikant bekommt mit, dass Gutachter nicht nur wegen ihrer fachlichen Qualifikationen herangezogen werden. Manchen wird auch aus anderen Gründen vertraut. Man kennt sich, tauscht vor der Verhandlung Meinungen aus. Nicht selten sind es Gutachter, die über den Ausgang eines


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