Standpunkt: Wo sind wir denn?

Politik | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Die EU hatte eine gesichtswahrende Lösung für die österreichische Regierung gefunden. Kein Regierungsmitglied - weder aus Österreich noch aus der EU - war zum Festakt zur Eröffnung der EU-Beobachtungsstelle gegen Rassismusgeladen. Benita Ferrero-Waldner ließ es sich nicht nehmen und kam trotzdem. Nachdem die Außenministerin geschnitten wurde, empörte sie sich gegenüber Journalisten: "Gerade diese Institution, die gegen Intoleranz auftritt, hat gegen uns einen Akt der Intoleranz gesetzt." Zur Klärung: Nicht "gegen uns (Österreicher)" hat die EU einen Akt gesetzt, sondern gegen die Regierung. "Natürlich bin ich gekommen, wo sind wir denn?", ereiferte sich Ferrero-Waldner weiter. Zur Erinnerung: Wir sind in Wien. Da, wo sich Spitzenpolitiker vor dem 3. Oktober um Fragen zu den FPÖ-Wahlplakaten herumgedrückt haben und sich so mancher nur mühsam zu einem kargen "unappetitlich" (Schüssel) durchringen konnte. Da, wo der Bundespräsident seine Rede zur Eröffnung des EU-Büros eindrucksheischend mit den "Ich heiß Kolaric, du heißt Kolaric, warum sagen sie zu dir Tschusch?"-Plakaten aus den Siebzigerjahren beginnt, statt aus gegebenem Anlass auf aktuellere Beispiele zurückzugreifen. Aber da, wo wir sind, gelten solche Hinweise längst alsunappetitlich. N.W.


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