"Es schien logisch"/Fall Szilvassy: Ganz schön vermessen?

Politik | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Jugendrichter Norbert Gerstberger wollte es ganz genau wissen. "Ist Ihre Meinung unbestritten?", fragte er den Gutachter und Menschenvermesser Johann Szilvassy in einer Verhandlung im Herbst 1998. "Nichts ist unbestritten. Die Lebensalterbestimmung ist ein schwieriges Gebiet. Wenn man sich mit diesem Gebiet beschäftigt, muss der entsprechende Sachverständige das ganze Leben dieser Arbeit widmen", antwortete Szilvassy.

Szilvassy hat zwar sein ganzes Leben vermessen, jedoch nicht nur Afrikaner: Im Herbst 1998 saß vor dem Jugendrichter und dem Sachverständigen ein junger Türke, der sich wegen schweren Raubes mit Todesfolge zu verantworten hatte. Als Beweis dafür, dass er noch jugendlich war, legte der Angeklagte seine türkische Geburtsurkunde vor. Der Türke, so ging aus dem Dokument hervor, war zum Zeitpunkt der Tat gerade noch 18 Jahre alt. Damit hätte für ihn das milde Jugendstrafrecht gegolten. Doch die Justiz und Herr Szilvassy wussten es besser.

Professor Szilvassy hatte, nachdem


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