"Gefesselt wie ein Tier"

Strafvollzug: Im Grauen Haus werden Betrunkene "aus medizinischen Gründen" die ganze Nacht mit beiden Händen an ein "Netzbett" gekettet.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Ich will dazu nichts sagen. Ich werde zuerst meine Experten befragen, ob es sich hier um eine unmenschliche Behandlung handelt." Michael Neider, Sektionschef im Justizministerium, ist ratlos. Kein Wunder: Auf seinem Tisch liegt ein Akt, der erstmals dokumentiert, wie im Grauen Haus mit betrunkenen Häftlingen umgegangen wird. Sie werden "zur Vermeidung von Fremd- und Selbstbeschädigungen" mit Handschellen an Netzbetten gefesselt. Nach dem gerade ausgestandenen Gitterbetten-Skandal (das Anti-Folter-Komitee des Europarats hatte im Grauen Haus Gitterkäfige entdeckt, in die rabiate Häftlinge gesteckt wurden) hat das Justizministerium den nächsten mittelalterlichen Missstand zu verantworten.

Die Vorgeschichte: Herr L., der wegen Nötigung in Haft sitzt, sollte bald in Freiheit entlassen werden. Damit er sich nach einer neuen Wohnung umsehen konnte, gewährte man ihm einen Tag Ausgang. Doch L. verkraftete den Freigang nicht, ohne sich einmal ordentlich zu betrinken. Ein an sich harmloses Delikt.


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