Bedient: Nur leicht geblutet

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Innenminister Ernst Strasser hat angekündigt, dass seine Beamten Übergriffe sorgfältig überprüfen werden. Mal sehen. Frau B. (ja, jene Frau, die bei einer Hausdurchsuchung rassistisch als Bimboschlampe beschimpft und schwer verletzt wurde) hat sich mit der Bitte um Entschädigung für den in ihrer Wohnung im Zuge einer Hausdurchsuchung entstandenen Schaden an Innenminister Strasser gewandt - schließlich wurde ja nichts gefunden und Frau B. ist unschuldig. Ein paar tausend Schilling wollte Frau B. für die umgedrehte Wohnung und die eingetretene Tür. Außerdem hätte ein Beamter mit seinen Fingern die getrockneten Steinpilze und ein Stück Lungenbraten abgegriffen. Den wollte Frau B. nicht mehr essen. Vorher hatte nämlich der Fahnder den Inhalt des Mistkübels in die Badewanne gekippt und dabei das Email zerkratzt. Auch der Blutfleck am Teppich, der durch die Platzwunde von Frau B. entstanden ist, sollte abgegolten werden. Richtig wäre es, wenn sich die Beamten im Innenressort nun die Fotos derWohnung anschauten und ein wenig großzügig wären. Doch sie vertrauten "den Angaben der einschreitenden Beamten". Alle Ansprüche werden abgewiesen: Am Schaden der eingetretenen Türe, so das Innenressort, treffe Frau B. das Verschulden, "da sie die Türe nicht unverzüglich geöffnet hatte". Die Badewanne könne nicht zerkratzt worden sein, "da sich im entleerten Mistkübel lediglich übliche Küchenabfälle befunden haben". Und die Blutflecken auf dem Teppich? "Diese", so das Schreiben an den Anwalt, "können ausgeschlossen werden, da Ihre Mandantin lediglich leicht geblutet hatte." Mit freundlichen Grüssen, der Innenminister.


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