Fernsehschau

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Fernsehen ist ein Medium, das sich darin gefällt, Alltäglichem die Aura des Besonderen zu verleihen. So handeln ganze Fernsehvormittage von den alltäglichen Problemen ganz besonders durchschnittlicher Menschen. Etwas größerer Glanz geht daher auch von den alltäglichen Problemen ganz besonders überdurchschnittlicher Menschen aus. Solche Menschen heißen im ORF Prominente. Ihre Prominenz muss über lange Jahre aufgebaut werden, denn sie gründet nicht auf Talent oder den Hervorbringungen besonderer Werke, sondern einzig auf Fernsehpräsenz. Eine solche mühsam errungene Prominenz gilt als unbestritten, wenn sie auch im verschlafensten Kuhdorf als solche begriffen wird. Fernsehsprecher, Serienhelden und Spaßmacher sind die natürlichen Kandidaten für Prominenz und gehören solcherart zum Inventar der Nation. Und stets sind sie Fernsehlieblinge. (Es gibt keine Prominenten, die nicht per se sympathisch wären: Solche Entwicklungen lässt das Medium nicht zu.) Nur deswegen gibt es Trottelsendungen wie "Hoppala". Woher wüssten wir sonst über die alltäglichen Probleme überdurchschnittlicher Menschen Bescheid?


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