Alles über meine Mutter

Kunst. Die serbische Künstlerin Milica Tomic' setzt sich in ihren Arbeiten mit Fragen der nationalen und der geschlechtlichen Identität auseinander. Mit dem "Falter" sprach sie über ihre Mutter, das patriarchale (Ex-)Jugoslawien und über die politischen Parallelen zwischen Serbien und Österreich.

Kultur | Mathias Dusini und Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Milica Tomic' selbst ist in ihrem Video "Portrait meiner Mutter" erst ganz am Ende zu sehen - wenn sie, nach rund 50-minütiger, in Echtzeit gedrehter Anreise zu Fuß, per Bus und im Auto - die Wohnung ihrer Mutter betritt, diese lange anblickt, umarmt. Noch einmal umarmt. Und noch einmal. Und noch einmal ... Tomic': "Gegenüber den eigenen Eltern ist man immer in der idiotischen Situation des Kindes, das eigentlich keine eigene, denkende Person ist. Man ist diesen Menschen tief verbunden, man liebt sie und zugleich ist es unangenehm. Diese Umarmung bedeutet nicht, dass Mutter und Tochter sich geeinigt haben, denn genau das haben wir nicht getan. Vieles von dem, was man sieht, ging von meiner Mutter aus: Sie hat gelacht und auf einmal haben wir uns umarmt. Dann dachte ich: Jetzt machen wir es so oft, bis es ein bisschen doof wird."

Das einstündige Video, das derzeit im project space der Kunsthalle Wien zu sehen ist, verschränkt Persönliches und Politisches auf eine für die junge, unabhängige


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