Terror im Puppenheim

Theater. Krieg als Kinderspiel: "Familiengeschichten. Belgrad" von Biljana Srbljanovic' im Volkstheater.

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Keine Kindheit ohne das Vater-Mutter-Kind-Spiel: Hineingeschlüpft in die Kleider der Eltern und damit in ihre Rollen, werden Dialoge nachgeplappert und Haltungen eingenommen. Die elterliche Wirklichkeit erscheint im infantilen Spiel als das, was sie ist: eine Groteske. Auf diesem dramaturgischen Coup beruhen die "Familiengeschichten. Belgrad" von Biljana Srbljanovic': Schauspieler stellen Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren dar, die wiederum Erwachsene spielen. Und das in der moralfreien Zone des Krieges in Ex-Jugoslawien, einem "Ene mene mu und draus bist du"-Spiel der besonderen Art.

Die 1970 in Belgrad geborene Autorin ist in den vergangenen Jahren wider Willen - "Ich bin nicht der Botschafter meines Landes, ich repräsentiere nur mich selbst" - zum Aushängeschild eines regimekritischen Serbiens geworden. Während der Bombardements hat sie Tagebuchaufzeichnungen und Essays im deutschen, italienischen und englischen Feuilleton veröffentlicht. Ihre beiden Stücke "Belgrader Trilogie"


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige