Die Gunst der Stunde

Dokumentarfilm. Jetzt auch in Wien: Die Demo-Video-Reihe "Die Kunst der Stunde ist Widerstand".

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Was in Graz vorvergangene Woche allabendlich für volle Säle und viel Gesprächsstoff sorgte (siehe Falter 14/00), kann nun auch in Wien besichtigt werden: Die prämierte Diagonale-Sonderschau "Die Kunst der Stunde ist Widerstand" macht im Filmcasino Station. Obwohl von fünf auf drei Abende verkürzt, ist die relativ große Bandbreite des von Amateuren und Profis erstellten Materials dennoch erhalten geblieben. Schon deshalb empfiehlt sich der Besuch des kompletten Programms.

Zu sehen gibt es Dokumente zur Lage der Nation wie den Videomitschnitt der Verhaftung zweier (bis vor wenigen Tagen inhaftierter) Opernball-Demonstranten durch vermummte Exekutivbeamte oder Einblicke in die verschiedenen Widerstandsaktivitäten. Während sich einige Filme mit der Repräsentanz von Macht und medialer Inszenierung beschäftigen, nehmen andere Regierungsmitglieder einfach beim Wort oder lassen die ORF-Berichterstattung Revue passieren. Andere, eher diskursiv angelegte Arbeiten setzen sich mit der "Gegenseite" und der Vorgeschichte auseinander und fördern dabei in mehrfacher Hinsicht Österreich-Bilder von erschreckender Armut zutage. Oder geben ganz "gewöhnlichen" Bürgern und Bürgerinnen Raum und Zeit, über ihre Befindlichkeit angesichts der Regierungsbildung zu sprechen.

Daneben zeigt das Programm kurze Spots und großartige parodistische Interventionen. An den Demonstrationsvideos schieden sich in Graz die Geister. Viele empfanden sie als mit der Zeit redundant. Dennoch erfährt man beim (wiederholten) Betrachten dieser Bilder einiges: Zum einen vermitteln sie immer wieder höchst emphatisch etwas von dem gewaltigen Bewegungsdrang, der, zumal in den ersten Februarwochen, die unterschiedlichsten Menschen erfasste. Und veranschaulichen damit auch, weshalb man diese Bilder für die staatliche TV-Berichterstattung verknappen, ihr appellatives Potenzial sozusagen entschärfen musste.

Von 14. bis 16.4. im Filmcasino. Kartenreservierung: Tel. 581 39 00-10 und 587 90 62.


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