Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Jose, ein Mann in den besten Jahren, zählt zu den typischen Helden des kubanischen Alltags: Er ist Fernsehmechaniker, ein Beruf mit Zukunft, wenigstens solange es in seiner Heimat noch uralte Geräte sowjetischer Bauart zu reparieren gibt. "Havanna, mi amor", ein ausgesprochen kurzweiliger Dokumentarfilm der jungen deutschen Regisseurin Uli Gaulke, widmet sich Fragen wie: Gibt es ein Leben vor dem Fernsehapparat? Und: Wenn ja, warum? Eine neue Telenovela, die lautAnsage "so kubanisch wie unser Zucker ist", geht auf Sendung. Man sieht Leute, die mit ihrem Gerät noch rasch in die Werkstatt radeln, und Leute, die sichs vorm Bildschirm bereits bequem gemacht haben. Herz-Schmerz, im Fernsehen wie auch im Leben. "Wie ist das mit den Männern hier?", fragt die Filmemacherin eine ihrer Gesprächspartnerinnen einmal: "Schlimm, ein Fall für die Gewerkschaft."

Nicht weniger schlimm ist es um die Männer von Bailleul bestellt. "La vie de Jesus", eine Geschichte aus der französischen Provinz, erzählt von dem arbeitslosen Jugendlichen Freddy, der in einem Streit über seine Freundin Marie einen jungen "Araber" namens Kader zu Tode prügelt. In immergleichen Szenen und immergleichen Einstellungen zeigt der Film, wie ein einziger Blick, eine einzige Geste den Konflikt provozieren, ihn unausweichlich machen. "La vie de Jesus", schreibt Georg Seeßlen, "ist kein Film, der sich um Authentizität bemüht: Er hat sie einfach." Bruno Dumont hat sein Regiedebüt ausschließlich mit Arbeitslosen aus der Region besetzt (bei der Hardcore-Szene, mitten im Film, waren freilich professionelle stand-ins am Werk); Dumonts nachfolgende Arbeit, "L'humanite", erhielt voriges Jahr in Cannes die Goldene Palme.

Als Nachtrag zur letzten Woche: "Himalaya", eine bildgewaltige Filmexpedition nach Nepal, unternommen von Eric Valli. Ein Kulturfilm mit Spielhandlung, wenn man so will, zu sehen im größten Kino des Landes.


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