Der Wille zum Triumph

Musik. Wenn sich übertrainierte Stimmen und überambitionierte Showstars an Liedgut heranmachen, das nicht für sie geschaffen ist, geht das selten gut. Jessye Norman und Ute Lemper beweisen es aufs Neue.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Man muss es wirklich so hart sagen: Billie Holiday wäre für die Brunhilde eine ziemlich krasse Fehlbesetzung gewesen. Nach allem, was wir wissen, hätte sie nicht einmal die Ortlinde oder die Waltraute gepackt. Für Songs wie "Strange Fruit" oder "I Cover the Waterfront" allerdings war sie eine perfekte Interpretin. Und auf die Idee, ins Wagner-Fach zu wechseln, wäre sie von sich aus nie gekommen. Aus guten Gründen.

Mit klassischen Sängerinnen und Sängern ist das anders. Die beherrschen die kompliziertesten Rollen, da kann ein bissl Rock oder Pop doch kein Problem sein. Jessye Norman singt jetzt zum Beispiel Michel Legrand. Das macht sie natürlich souverän. Was für eine Stimme! Welche Fülle! Und doch auch: Welche Transparenz, welche Klarheit der Artikulation! Brillant!!!

Und dennoch. Wer Jacques Demys "Die Regenschirme von Cherbourg" je gesehen und Legrands unwiderstehlichen Titelsong in der Interpretation singender Schauspieler gehört hat, der wird ahnen, dass Songs von Michel


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