Stadtrand: Bänke für Sitzriesen

Stadtleben | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Letzte Woche habe ich an anderer Stelle in diesem Blatt verbreitet, dass Stadtplanung fad sei und vor allem mich überhaupt nichts anginge. Ein Irrtum, für den sich die Stadtplanung bitter an mir gerächt hat. Und zwar in Form von unscheinbaren Bänken am Julius-Tandler-Platz. Genauer gesagt der Bänke bei der Haltestelle der Straßenbahnlinie D. Beim 5er steht nämlich noch eine gemütliche, klassische Parkbank. Zu der kann man aber nur sehnsüchtig hinüberschauen, wenn man auf der neumodischen D-Designerbank hocken muss. Sitzen kann man das nämlich nicht nennen. Ich bin ja nicht groß, also muss die Bank zu niedrig sein. Gefallen könnte sie höchstens Sitzriesen, also Menschen mit kurzen Stummelbeinen. Als ob das nicht schon unbequem genug wäre, haben die Designer auch noch auf die Lehne verzichtet. Auf den D wartet man durchschnittlich ohnehin nur sieben Minuten. Wer braucht sich da anlehnen? Da kommen schmerzhafte Erinnerungen an die Zeit auf, als uns die alten Leute im Autobus mit ihren Stöcken von den Sitzplätzen verjagten mit den Worten: "Die Kinder sitzen eh den ganzen Tag in der Schule. Da können sie im Bus wenigstens stehen. Sonst bewegen sie sich ja gar nicht." Vielleicht sind die Bänke eine gemeinsame Aktion der Stadträte für Planung und Gesundheit. E. W.


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