Comandantina Dusilova: Staub

Stadtleben | aus FALTER 15/00 vom 12.04.2000

Stadt und Land, was seid ihr doch für ungleiche Geschwister! Von Kühen, Hendln und fruchtbaren ÖVPlern bewohnt das eine, von Hunden, Tauben und fortpflanzungsunwilligen Aufwieglern die andere. Biotopistisch verstanden ist die Stadt so was wie einen Felswüste mit Paranoia. Hier leben blecherne Käfer, Teilzeitnomaden und Tauben. In den etwas fruchtbareren "Beserlparks" (jede anständige Wüste hat ihre Paranoia) treiben sich alte Damen, junge Buben und Hunde herum. Aber diese Oasen produzieren nichts. Weder Sauerstoff noch Eier, keine Milch und keinen Honig. Nicht einmal Schwammerln wachsen in einer Stadt. Städte produzieren ausschließlich Lärm und Staub. Da Lärm aber ein sehr flüchtiges Phänomen ist und streng genommen aus Nichts besteht, fällt nur Staub an. Staub im Übermaß. Er senkt sich wie eine schmutzige Decke über alles. Ganz besonders gern hält sich Staub in geschlossenen Räumen auf. Woher weiß aber der geschlossene Raum, dass er in einer Wüste ist und nicht am Land? (Geschlossene Räume am Land haben nämlich mit Staub absolut null am Hut.) Und wenn er schon diese Chuzpe hat, woher nimmt der geschlossene Raum den Staub, den er über alles breitet? Zersetzen geschlossene Räume Materie und wandeln sie in Staub um?www.geocities.com/Pentagon/4404


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