Selbstverblendung

Seinesgleichen geschieht: Fitness rules. Selbstbezug ist out. Zwei Beobachtungen aus dem vorösterlichen Österreich.


Armin Thurnher
Vorwort | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Zwei Phänomene beherrschen Österreich. Ich rede vom Siegeszug der Fitnessmetapher und vom Absterben des Reflexivpronomens. Ehe ich zu schreiben beginne, drehe ich ein Nachrichtenmagazin um und finde darauf eine Anzeige mit der Frage: "Wie fit ist Ihr Büro?" Dass Parteien und Organisationen fit gemacht werden, ja Österreich selber einst europafit wurde, ist ebenso in den Sprachgebrauch übergegangen wie die Fitnesswelle Teil des österreichischen Alltags wurde. Weg mit dem Fett, übrig bleiben nur mazerierte Bodies. Der schlanke Volkskörper. Alles kauft Laufschuhe, läuft mit Pulsuhr durch den Frühling und studiert den einschlägigen Bestseller, der zwar ewige Jugend verspricht, aber doch das "survival of the fittest" meint.

Die singenden Popstars haben die diesbezüglichen Hoffnungen enttäuscht ("Hope to die before I get old"); die politisierenden Popstars wie Jörg Haider haben es in Wortsinn vorgehüpft. Sie laufen täglich in der Früh, sie bringen ihren Körper in bunten Joggingdressen

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