Hartes Pflaster

Strassenzeitung: Seit ein paar Tagen gibt es in Wien eine neue Straßenzeitung. Die"Bunte Zeitung", das "erste Medium von Migranten", wird von den Redakteuren selbst verkauft. Das kann sehr mühsam sein.

Nina Weissensteiner | Politik | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Samstag vormittag. Der schmächtige Chilene wuchtet sich bei der U-Bahn-Station Kettenbrückengasse einen Packen Zeitungen auf den Arm und dreht am Naschmarkt seine Runden. "Die Bunte Zeitung, die neue Bunte Zeitung!", ruft er den vorbeihastenden Kunden zu. Oscar Azocar ist aber nicht nur Kolporteur. Er schreibt Kommentare, Analysen, und er ist einer der Chefs der neuen Bunten Zeitung. Seit wenigen Tagen die "erste Zeitung für erwachsene Migranten" in Wien. Jenen, die bei einem Standl stehen bleiben, hält Oscar gleich das neue Blatt unter die Nase. Ein Standler, der alte Lampen und Zinnbecher verscherbelt, greift in die Tasche. "15 Schilling sind für die Zeitung und 15 Schilling für den Kolporteur", erklärt ihm der Chilene. Dafür muss er sich ein wenig Grant über "de Auslända" anhören: "I bin ja söba mit aner verheiratet. Aber ihr Wirtschaftsflüchtlinge wißts ja, wie man dem Staat des Göd ausm Taschl ziagt. Aber", so rotzt der Wiener weiter, "im Grunde brauch ma eich eh, wegen

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