Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Menschen und Mäuse sind einander ja nicht unbedingt innig verbunden. Gemeinhin gelten Letztere als parasitäre Mitbewohner, vor denen man sich allerhöchstens schrecken tut. Aber manchmal ist alles anders: Die Littles (Geena Davis und Hugh Laurie) wohnen im Little House in New York und wollen für den kleinen George (Jonathan Lipnicki) ein Geschwisterlein adoptieren. Im netten Waisenhaus der freundlichen Mrs. Keeper gewinnt dann allerdings unverhofft eine adrette weiße Maus ihre Herzen, und so hält der kleine Stuart Einzug in die etwas schrullige Familie. "Stuart Little" basiert auf einem US-Kinderbuch-Klassiker, der von "Sixth Sense"-Regisseur M. Night Shyamalan zum Filmstoff umgearbeitet und von Rob Minkoff inszeniert wurde. Trotz seiner avancierten Computer-Animationen ist "Stuart Little" ein altmodisches Filmmärchen: Die sprechende, vollbewegliche Maus fügt sich ganz "natürlich" in ihre reale Umgebung. Auch die Technik lässt sich inzwischen so weit integrieren, dass das Endprodukt rundum den Eindruck grundsolider, konservativer Wertarbeit erweckt: freundlich, hundert Prozent unanstößig, um die kindgerechte Propagierung der friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Lebewesen ebenso bemüht wie um die sanfte Thematisierung der Schwierigkeiten einer glücklichen Identitätsfindung als Minorität. Ein klein wenig überzeichnet, aber nicht allzu grotesk. Stilistisch erinnert "Stuart Little" an andere Filme mit sprechenden tierischen Helden, "Babe" zum Beispiel, oder auch an die großartige Adaption von Roald Dahls "Hexen hexen". Ein durchaus vertretbarer Familienfilm also.

Für erwachsene Kinobesucherinnen gibt es die mittwöchliche "Frauenfilmreihe" im Filmhaus Stöbergasse. Dort ist diese Woche (26.4., 20 Uhr) als österreichische Erstaufführung Todd Verows schwarze Komödie "Little Shots of Happiness" zu sehen.


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