Mit Schleier und Gewehr

Kunst. Auf poetische Weise entzieht sich die iranische Künstlerin Shirin Neshat in ihren Fotos und Videos der Verpflichtung, den westlichen Wertekanon gegen ihre islamische Heimat ausspielen zu müssen.

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Eine verschleierte Frau mit einem Gewehr, Gesicht und Hände beschrieben mit Kalligraphie, ihre dunklen Augen blicken in die Kamera: Scheherazade als Terroristin. Die Fotos der Serie "Women of Allah" lösen beim Betrachter eine von der Unbestimmtheit ihrer Botschaft herrührende Anspannung aus. Man spürt einen Widerwillen dagegen, dass sich jemand so brisante Fragen wie Fundamentalismus, den heiligen Krieg oder die Rolle der Frau im Islam auf so poetische Weise aneignet, ohne dabei selbst eindeutig Stellung zu beziehen.

Mit dem Falter spricht die Künstlerin, die anlässlich der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Kunsthalle nach Wien kam, auch über die Reaktionen auf ihre Fotografien: "In den USA glaubte man, ich würde den islamischen Fundamentalismus verteidigen, oder man dachte, ich würde die iranische Regierung kritisieren." Dabei versteht sich Shirin Neshat weder als feministische Aktivistin noch als (Gottes-)Staatskünstlerin; sie will weniger Antworten geben als Fragen provozieren.


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