Nüchtern betrachtet: Ein Tempeltänzchen für Tex & Taschwer

Kultur | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Das Pluriversum der Laufstile ist immer wieder erstaunlich", doziert Professor Taschwer, der sich diesmal die Prater Hauptallee zum Hörsaal erkoren hat. Etwas Eigenartigeres als die lipizzanerartig eingesprungenen Figuren, die Taschwer ausführt, habe ich noch nicht gesehen. Und mich selbst sehe ich ja nicht. Die Bewegungen meines rechten Handgelenkes wecken jedenfalls Assoziationen wie "indische Tempeltänzerin" (Taschwer) und "total schwul" (Tex). Tex hoppelt mit so nonchalanter Slackerhaftigkeit dahin, dass man denkt, es ginge ihm einzig darum, seine vorsumerischen Adidas-Hosen auszulüften, in die er seine Beine steckt, weil er diese für zu dünn hält. Woher seine laufbedingten Schulterschmerzen und seine heißen Hände - "Was heißt hier heiß?! Meine Hände kochen!!" - kommen, bleibt ein Rätsel. Überhaupt ist es ein schlechter Tag zum Laufen. Das Wetter ist schwül, Taschwer zu schnell, und die Beine fühlen sich an wie 50 Kilo schwere, mit feingemahlenem Salz gefüllte Mehlsäcke.


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