Phettbergs Predigtdienst: Der Karfreitag des Masochisten

... er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten ... Jes 52,13-53,12 (1. Lesung am Karfreitag)

Stadtleben | aus FALTER 16/00 vom 19.04.2000

Brief vom 4.3.00: Liebe Alice, betropitzt torkelte ich heim, Regenschwaden zogen auf, todtraurig,Samstag früh, die ganze Nacht als Opfer in deinem furiosen SM-Cafe in der Köstlergasse, dem ersten nach Tausenden Jahren in Wien, liegt hinter mir. Die schrecklichste Nacht meines Lebens!

Wie ein Zwölfjähriger träume ich Zeit meines Lebens vom ritterlichen Sado, der kommen wird zur Rechten Gottes sanft den Terror seines Sadismus in mich hineindrehen, Pausen machen, mich liebkosen, weinen lassen, gemeinsam traurig sein, den Exzess weitertreiben, den Schmerz an die Spitze, einen leichtfertigen Schritt nur von der Auslöschung entfernt, tobend wie ein Hurrikan in mir.

Und als ich dann als Kerze hing, die Hände als Docht, die Beine vom Holzgestell zum Spreizen gezwungen, kroch die Angst in mich: Alle sind erwachsen, nur ich bin unreif und wehleidig. Ich hörte Schläge, Hunderte, in pausenlosem, rasendem Staccato. Und die massenhaften Opfer ertrugen allen Terror ohne Geschrei, manchmal ein Wimmern,


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