Liebe Leserin, lieber Leser!

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 17/00 vom 26.04.2000

Rainald Goetz liebt Interviews - solange er nicht selbst der Interviewte ist. Er liebt auch Fotos - solange er nicht selbst der Fotografierte ist. Als manischer Medienkonsument kennt der deutsche Autor die Gesetze der Medien besser als Journalisten lieb sein kann; das mussten auch Sebastian Fasthuber und Wolfgang Kralicek feststellen, als sie Goetz anlässlich der Erstaufführung seines Stück "Jeff Koons" im Burgtheater zum Interview trafen. Erstes Problem: keine Fotos! Der verdutzte Heribert Corn wurde angewiesen, nur ein paar Mal aus der Entfernung abzudrücken; auch ein technischer Trick des Fotografen wurde von Goetz sofort durchschaut: "Das ist doch ein Teleobjektiv!"

Zweites Problem: das Interview. Mit bloßem Gegenlesen werde es nicht getan sein, ließ Goetz wissen; weil der "Sound" stimmen müsse, schreibe er Interviews beim Autorisieren erfahrungsgemäß völlig neu. Sein Vorschlag - die Falter-Reporter sollten ihn interviewen und anschließend ohne Zitate ihre Eindrücke von dem Gespräch wiedergeben - stieß auf wenig Begeisterung. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss: Goetz schaute am nächsten Tag in der Redaktion vorbei und redigierte höchstpersönlich das Manuskript. Obwohl er gut zwei Stunden lang unser Gast war, hat er nur ein paar Sätze verändert.

Ein weiteres Interview in dieser Ausgabe wird Sie interessieren. "Es war gar nicht schwer, ihn zu finden", wird Florian Klenk im Standard zitiert.Der brachte vorab Auszüge aus seinem Gespräch mit dem Mann, der dem Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas letzte Woche eine Schoko-Sahne-Torte ins Gesicht drückte. Die Kronen Zeitung zitierte ebenfalls aus diesem Interview, zwar ohne den Falter zu erwähnen, jedoch nicht, ohne ihn in einen Zusammenhang mit dem Torten-Anschlag zu stellen ("soll einem einschlägig bekannten linken Blatt ein Interview gegeben haben..."). Die Staatspolizei wisse nicht so recht. Nur der Ordnung halber: Das Gespräch ist echt. Wir prüfen das Juristische, Sie freuen sich über das Interview.


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