Kommentar: Ein Schiff wird nicht mehr kommen

Carsten Fastner
Kultur, FALTER 17/00 vom 26.04.2000

Und ich dachte schon, wir wären uns einig. Noch vor nicht einmal zwei Monaten, kurz nachdem am 4. Februar die neue rechtsrechte Bundesregierung vereidigt worden war, sah es zunächst danach aus, als würde sich das hiesige Kulturleben für längere Zeit auf innerösterreichische Inzucht einstellen müssen: Eine spektakuläre Boykottankündigung nach der anderen wurde bekannt, reihenweise drohten ausländische Künstler aller Genres mit Absagen ihrer Auftritte in Österreich.

Doch dieses Horrorszenario hielt sich nicht lange. Innerhalb kürzester Zeit gelang es österreichischen Künstlern und Veranstaltern, die allermeisten ihrer boykottwilligen Kollegen davon zu überzeugen, dass eine solche Maßnahme zielgenau die Falschen träfe; das "Jetzt erst recht" der Künstler wurde zum breiten Konsens, ohne dass dabei den verzweifelten Normalitätsbeschwörungen der Regierung Vorschub geleistet worden wäre. Im Gegenteil: Praktisch alle Gegner der Regierung waren sich einig, mit der Plakataktion

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