Wahrer als die Wirklichkeit

Film. Michael Manns Dokudrama "The Insider" verwendet einen wahren Skandal in der amerikanischen Tabakindustrie nicht als Vorwand für den falschen Film.

Michael Omasta | Kultur | aus FALTER 17/00 vom 26.04.2000

Auch dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte. Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung von Brown & Williamson, des drittgrößten Zigarettenherstellers der Vereinigten Staaten, gab eine eidesstattliche Erklärung ab, auf deren Grundlage die amerikanische Tabakindustrie 1996 in einem Gerichtsverfahren zu Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe verurteilt wurde: Den Zigaretten seien Wirkstoffe beigemengt, die Raucher süchtig machen, sie im Sinn des Wortes bei der Stange halten sollen.

Aber darum gehts nicht, und das ist gut so. "The Insider" ist kein herkömmliches Dokudrama, die wahre Geschichte nicht Vorwand für den falschen Film: Die großen Erzählungen, vor allem im Kino, sind fast immer based on fiction, truer than fact. Michael Mann, der nicht nur für die Regie, sondern gemeinsam mit Eric Roth auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat beides zugleich versucht. Als Vorlage griffen die Autoren nicht etwa auf die Prozessakten zurück, sondern auf

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