Onefinger-Bob und der Pop

Musik. Auch Dilettanten können Perfektionisten sein. Saint Etienne zeigen mit ihrem neuen Album "Sound of Water", wie gut man CDs aufnehmen kann, ohne dabei gemeinsam zu musizieren.

Kultur | Robert Rotifer / London | aus FALTER 17/00 vom 26.04.2000

Bob Stanley ist ein wandelndes Lokalphänomen. Nicht bloß, weil er dem Interviewer gleich zu Beginn des in seinem Stammpub stattfindenden Gesprächs ein authentisches Glas handgepumpten Ales von der Bar besorgt. Seine ganze Existenz ist eine Metapher dafür, warum London auch nach vierzig Jahren immer noch der Welt Pophauptstadt ist. Stanley verdingt sich als Journalist, indem er für Liebhabermagazine wie Uncut und Mojo lange Interviews mit verschollenen Folksängerinnen führt oder in TV-Dokumentationen als Experte für die Girlgroups der frühen Sechziger enzyklopädische Auskünfte erteilt. Nebenbei beglückt er die Szene als Club-DJ mit den Perlen seiner uferlosen Plattensammlung, ohne sich dabei mit mixtechnischem Firlefanz jenseits der Start/Stop-Taste aufzuhalten.

Hauptsächlich jedoch verdient Stanley sein Brot damit, dass er alle paar Jahre zusammen mit Busenfreund und DJ-Partner Pete Wiggs und der Sängerin Sarah Cracknell unter dem Pseudonym Saint Etienne ein Popalbum aufnimmt.


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