Phettbergs Predigtdienst: Ostern sehen anders aus

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, in diesen Tagen freudig zu danken, da unser Osterlamm geopfert ist, Jesus Christus. Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Alte und das Opferlamm. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit ... Aus den Präfationen der Osterzeit

Stadtleben | aus FALTER 17/00 vom 26.04.2000

Was für ein Frühling! Was für knallenge Hosen die Schneidereien schnitten! Die Hosentürl bersten den Burschen wie seit zwanzig Jahren nicht mehr! Jeder Schritt melkt sie, zwischen den Hosentürlknöpfen und den Ritzen der Zippverschlüsse rinnt ihnen förmlich das Sperma heraus. Die Erde ist wieder hergestellt, die Alten, die sich zum Frühling nicht mehr aufraffen konnten, sind begraben, alles kauft knallenge Hosen, spreizt die Beine und hofft. Fröhliche Urständ feiert, was jetzt noch am Leben. Gott Vater, wir preisen dich, geiler, alter Bock, der du das alles ersannst, und Jesus, du Söhnchen, du schönes Früchtchen, der dem Vater Honig ums Maul schmierte, als du dich hingabst für uns und im Durchschreibeverfahren für ihn.

"Er bringt sich dar", wies in den Osterpräfationen ebenfalls lautet, "allezeit für uns dar und steht vor dir als unser Anwalt." Nimm auch du, lieber, lieber, Christus, Menschensohn, mich, deinen Elenden, exemplarisch Misslingenden in deine Arme, schenk mir ein bisschen Zärtlichkeit, ein bisschen Verständnis, ich folge nur dem Programm deines und meines - unseres Vaters.

Ein Redakteur der Talksendung "Speed", der knallenge Hüftjeans trug, bereits im leichten Sommerdenim, das Prügel unabgefedert auf den umspannten Arsch weiterleitet wie Leinen, und vor dem ich mich niederwarf, unvorsichtigerweise, weil ich nicht wusste, dass er Talkshowredakteur war, und ihn anflehte, mich zu tögeln oder wenigstens einzuschläfern, erklärte sich blitzartig bereit dazu, mich einzuschläfern, nicht mich zu tögeln! Ich kann mich doch nicht von einem "Speed"-Redakteur einschläfern lassen!

Der Masochist braucht den Sadisten, und wenn er ihn, was ideengeschichtlich und aus Volksbildungsgründen dringend von Nöten wäre, weiterbilden will, existiert er nicht mehr. Entschwindet wie eine Fata Morgana.

Chat mit Hermes Phettberg über seinen "Predigdienst", jeden Dienstag, 21.30 Uhr, auf www.webfreetv.com


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