Weekend der Gesten

Seinesgleichen Geschieht. Abtritt und Neubeginn bei FPÖ und SPÖ was wir daraus lernen können.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Letzte Woche ging es an dieser Stelle um Symbole; nach diesem Wochenende des 1. Mai möchte ich von Gesten reden. Von der Abschiedsgeste Jörg Haiders zum Beispiel. Der eindeutige Fall einer zweideutigen Geste. Im Rundfunk gab sich der Kärntner Landeshauptmann melancholisch und moderat. "Ich habe nie den Traum gehabt, Bundeskanzler zu werden", sagt er im Mittagsjournal. Es wurde einem ganz weich ums Herz. Ja, da ist einer, der auf der Höhe des Erfolgs ohne Wehmut ins zweite Glied zurücktritt und nie mehr wieder kommt. Gerade, dass er noch anmerkte, er werde nicht "schweigend im Büßergewand" seine Tage im Kärntner Ausgedinge verbringen.

Beim Parteitag, zwei Tage später, war wieder alles anders. Was ist die sedierende Wirkung eines Rundfunkmikrofons im Vergleich zum euphorisierenden Effekt von Videokameras und Videowänden. Zu dem Gefühl, dass hinter einem noch einer ist, ein mehrfach Vergrößerter, der man selber ist! Da ploppt die Wahrheit aus einem heraus wie ein Sektkorken, und


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