Standpunkt: Recht auf Unsinn

Politik | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Vergangene Woche im Parlament: Die grüne Abgeordnete Theresia Haidlmayr wühlte tief in der Mottenkiste des grünen Aktionismus und besetzte aus Protest gegen die Kürzungen beim Zivildienst stundenlang das Rednerpult im Plenum. Keine wirklich sinnvolle Aktion, in einem Forum des Dialogs denselben zu blockieren. Über jeden anderen Oppositionellen wären die schwarz-blauen Mandatare wohl verbal hergefallen, bei der Grünen reagierten sie jedoch seltsam nachsichtig. Gerade der Abgeordneten Haidlmayr habe er in dieser Frage entgegenzukommen, meinte FP-Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn in der "Zib 2". Die VP-Mandatarin Gertrude Brinek vermutete gleich, dass die arme Haidlmayr vom bösen Peter Pilz instrumentalisiert worden sei. Offensichtlicher Grund für die Milde: Die grüne Aktionistin sitzt im Rollstuhl. Die Anteilnahme Prinzhorns und Brineks war sicher gut gemeint, aber eben doch wieder das Gegenteil von gut. Man erweist körperlich Behinderten und ihren Anliegen keinen Dienst, wenn man im intellektuellen Umgang erst recht wieder andere Maßstäbe anlegt. Die Rollstuhlfahrerin hat das Recht, wie jede "gewöhnliche" Abgeordnete kritisiert, akklamiert und beschimpft, vor allem aber bei ihren Aktionen ernst genommen zu werden. Auch wenn diese Unsinn sind. G. J.


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