Europa im Kältefieber

Europäische Union. Die gemeinsame Währung will und will ihren PR-Effekt nicht erfüllen, ein Mitglied wird zum Paria erklärt, der Kommissionspräsident gerät ins Schussfeld, und die Osterweiterung steht vor der Tür. Die EU versucht sich zu reformieren und scheint sich nicht zu finden.

Politik | Patrik Volf / Brüssel | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Der Patient hat Fieber. Genau 0,9060 US-Dollar Fieber. Tendenz weiter fallend. Irgendwo zwischen 0,90 und 0,85 US-Dollar, der nächsten zu erwartenden Untergrenze der gemeinsamen europäischen Währung, soll sich das Thermometer einpendeln. Daran ändert auch eine dreimalige Spritzenkur seit Anfang des Jahres in Form von Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank nichts. "Der Euro testet seine Grenzen nach unten", nennen das Devisenhändler. Europas Regierungsspitzen von Gerhard Schröder bis Giuliano Amato wundern sich und beschwören Zahlen, die den europäischen Wirtschaftsaufschwung dokumentieren. Tagelang blieb der Kommentar aus der EU-Kommission in Brüssel derselbe: "Kein Kommentar." Zum Zustand des Euro fiel der EU so wenig ein, dass das Schweigen von Finanzkommissar Pedro Solbes bereits besorgte Erkundigungen nach seinem Gesundheitszustand nach sich zog. Seither ist die Sprachregelung: "Wir haben Vertrauen in die gemeinsame Währung." Und: Der Euro reflektiert nicht die


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