Stottern für das Vaterland

Selbstverteidigung. In speziellen Englischkursen können österreichische Geschäftsleute lernen, die politischen Bedenken ihrer ausländischen Partner zu zerstreuen. Auch Politiker finden sich auf der Teilnehmerliste.

Politik | Michael Nothnagl | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Der Mann im Nadelstreifanzug will es ganz genau wissen: "Habt ihr Österreicher nichts aus eurer Vergangenheit gelernt? Haltet ihr euch überhaupt an die Menschenrechtskonvention? Ist Haider ein zweiter Hitler?" Natürlich ein Amerikaner, der so etwas fragt: Er heißt Dan, trägt Seitenscheitel, blaue Krawatte mit orangefarbenen Gänseblümchen und spricht kein Deutsch. Zumindest nicht mit uns. Für 2000 Schilling kann sich jeder in so eine unangenehme Situation bringen lassen - um anschließend möglichst elegant einen Ausweg zu finden. Ort der Übung: das private Amerika-Institut direkt neben der Wiener Staatsoper. In zweitägigen Kursen versuchen dort Lehrer wie Dan mit ihren Kunden das auszulöffeln, was ihnen die Politik eingebrockt hat: drohende Stornierungen im Fremdenverkehr, bohrende Fragen langjähriger Klienten. Hier üben Manager von Fluglinien, Banken oder Luxushotels alles, was sie brauchen, um beim Smalltalk mit dem Geschäftspartner nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Sie


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