Bedient: "Arier und Neger"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Rassismus setzt bekanntlich Rassen voraus. Vielleicht ist Rassenkunde in Österreich deshalb so beliebt. Gutachter und Polizeiärzte vermessen Afrikaner, um ihr Alter festzustellen (siehe Seite 10). Eine freiheitliche Abgeordnete bezeichnete die Natur von Afrikanern als "besonders aggressiv". Der Anthropologe Johann Szilvassy beschrieb "Zigeuner" als "mittelgroße, schlanke Menschen mit einem mittellangen und mittelbreiten Kopf, einem mittelbreiten Gesicht, großen mandelförmigen Lidspalten" und so weiter. Solche Beschreibungen sind sehr wichtig. Ohne sie könnte die Polizei ein wichtiges Dokument nicht ausfüllen: Seit kurzem verwendet die Exekutive nämlich einen Befragungsbogen, auf dem die "Rasse" von Flüchtlingen anzukreuzen ist. Es nennt sich "European Fingerprint Transmission". Renata Erich vom "Romano Centro" hat es in ihrer Zeitschrift erstmals veröffentlicht. Flüchtlinge, die ihre Fingerabdrücke abzugeben haben, werden darauf in fünf Rassen eingeteilt. Zur Unterstützung wird auch erklärt, wer in welche Kategorie passt. Wir zitieren: "1. Europid (z.B. Europäer, Nordamerikaner, Australier), 2. Südländer, Orientale (z.B. Arier, Perser, Türke, Zigeuner) 3. Ostasiate, Mischling (z.B. Japaner, Chinese), 4. Südostasiate, Mischling (z.B. Inder, Pakistani, Thailänder)" und zu guter Letzt natürlich "5. Neger und Mischling." Unklar bleibt, warum der "Arier" den Südländern zugerechnet wird. Auch der "Neger" aus Europa wird nicht leicht einzuordnen sein. Und was geschieht mit einem "Zigeuner", der in China wohnt? Vielleicht könnte der Menschenrechtsbeirat die Polizei ein wenig über Rassen aufklären.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige