Es war einmal der Westen

Film. Das Kino des Sergio Leone ist erstaunlich jung geblieben: barocke Blut-Opern, die dem Western jeglichen Optimismus ausgetrieben haben und ihre Figuren in eine Welt stellen, die ihnen viel zu groß ist.

Kultur | Georg Seesslen | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Es war einmal eine große Fabrik im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, die stellte bewegte Bilder her. In dieser Fabrik namens Hollywood wusste man genau, wo die Kamera zu stehen, wann ein Bild dem anderen zu folgen und welche Musik die Bewegungen von Mensch und Kamera zu begleiten hatte. All das, um das Projekt dieser Fabrik voranzutreiben: die Welt vor den Augen eines Massenpublikums zu ordnen und sie jedem Zuschauer als Eigentum zu Füßen zu legen.

Natürlich gab es immer wieder Versuche, das Monopol dieser Fabrik auf die paradoxe Produktion des demokratischen Herrschaftsblicks zu brechen. Aber die meisten Revolten verliefen im Sand oder sie wurden dem ewigen Renaissanceblick dieses Kinos untergeordnet, das die Freiheit und Frechheit hatte, sich einfach als das klassische zu bezeichnen.

Das Genre dieses "klassischen Erzählkinos", mit dem Hollywood demonstrierte, dass es im Besitz aller Produktionsmittel war, um Identität und, ja, "Heimat" herzustellen, war der Western. Durch


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