"Die ganze Band ficken!"

Musik. Die Zusammenarbeit von Miles Davis und John Coltrane, auf einer soeben erschienenen CD-Box dokumentiert, geriet zur prolongierten Sternstunde des Jazz. Ansonsten waren die beiden Musiker grundverschiedene Charaktere.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Dass sich die zwei größten Charismatiker des modernen Jazz nach Charlie Parker einfach begegnen mussten, gehört zu jenen Legenden, die einfach entstehen mussten. In Wirklichkeit hat die gut fünf Jahre währende Zusammenarbeit zwischen Miles Davis und dem um vier Monate jüngeren John Coltrane die Jazzgeschichte zwar um einige giant steps vorangebracht, verlief aber durchaus nicht friktionsfrei. Lassen sich der lyrische Reduktionismus Davis' und die grenzensprengende Ekstatik Coltranes noch als gegensätzliche Wege mit ähnlichem Ziel betrachten, so hatten die Gemeinsamkeiten außerhalb der Musik sehr bald ein Ende. Miles und Coltrane existierten einfach auf zwei verschiedenen Planeten.

Das "wirkliche Leben" bestand für Miles Davis, der sich in den späten Fünfzigerjahren den Status und die Statussymbole eines Popstars erspielte, eben auch aus schönen Frauen, schnellen Autos und schnieken Anzügen. Nichts scheint ihn so verstört zu haben wie der Umstand, dass sich Coltrane ausschließlich


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