Nüchtern betrachtet: Ständig wird der Fortschritt behindert

Kultur | aus FALTER 18/00 vom 03.05.2000

Man muss ja nicht gleich politisch werden, um einzusehen, dass es mit dem Fortschritt so eine Sache ist. Jahrelang haben aschenbecherdicke Brillen tragende Pickelgesichter (wie ich es mir gerne vorstelle) oder waschbrettbauchgewappnete Frauenlieblinge (wie es wirklich ist) die Köpfe in den Labors der Wellness-Industrie zusammengesteckt, um die Grünteelimo "Green Life" zu entwickeln. Kaum ein Montag verging in den letzten Monaten, an dem ich nicht einen Liter dieses superleckeren und total gesunden Getränks weggegluckert hätte, um mich - erfrischt und beschwingt - daranzumachen, pfiffige Cover-Zeilen und kurzweilige Editorials zu ersinnen. Als überzeugtes Mitglied des Billa-Vorteilsclubs hoffte ich zudem, dass die auf dem in meinem Rückgrat implantierten Chip gespeicherte Information zur Schaffung eigens nach meinen Kaufgewohnheiten bestückter Regale in der Schwedenplatz-Filiale führen würde, um mir den montäglichen Kauf von Green Life, naturtrübem Bier und Ültje-Nuss-Mix zu


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