Standpunkt: Danke, Strasser!

Politik | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Dem Vernehmen nach lag Wolfgang Schüssel dem Innenminister seit Wochen damit in den Ohren: Er solle an dem Gedenkkonzert in Mauthausen teilnehmen, wenn er als einziges Regierungsmitglied willkommen sei. Des Kanzlers Begehr sorgte schon einmal - allerdings ohne Einladung - für Wirbel. Bei der Eröffnung des EU-Rassismus-Büros gab Außenministerin Benita Ferrero- Waldner dem Drängen ihres Chefs nach. Durch einen protokollarischen Trick schummelte sie sich in den Festsaal - und es hagelte Kritik. Ernst Strasser dagegen parierte seit Wochen lästige Journalistenfragen wegen seiner Teilnahme mal mit einem "Ich weiß noch nicht", mal mit einem "Nein". Obwohl sich der Minister längst darüber im Klaren war: Er hatte die Initiatoren des Konzerts um ein Treffen gebeten, damit sie mit ihm eine gesichtswahrende Lösung für Mauthausen suchen. Und so bekam er auch seine persönliche Einladung. "Aus Achtung für die Anwesenden" wollte er nun doch nicht mehr teilnehmen. Strassers Vorgangsweise verdient Respekt. Es war sicher nicht leicht, als Minister einer Regierung, die wie keine andere zuvor auf Handshakes angewiesen ist, durch Abwesenheit zu glänzen. Und dann vermarktete er diese Geste nicht einmal medial, sondern steckte still den Rüffel seines Chefs ein. N. W.


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