Die Sache stinkt

Affäre. Vergangene Woche verstarb ein Afrikaner nach einer Razzia und fünf Tagen Haft in seiner Zelle an verschluckten Drogen. Warum wurde er - entgegen dem Gesetz - nicht untersucht und auf eine Entgiftungsstation gebracht?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Fünf Tage war er in Haft. Vergangenen Mittwoch um vier Uhr früh verstarb er plötzlich. Wahrscheinlich, so der gerichtsmedizinische Befund, ist er an einem aufgeplatzten Suchtgiftkügelchen verstorben. Zwei Tage dauerte es, bis der "tragische Zwischenfall" (Justizministerium) der Öffentlichkeit bekannt wurde. Im "Soteria"-Heim in der Redtenbachergasse feierten die Heimbewohner bereits eine Seelenmesse. Sein Bruder saß mit Tränen in den Augen und ohne Unterkunft in Wien und bat Journalisten um Geld für ein Hotelzimmer. Die Öffentlichkeit wusste von all dem nichts. Die Behörden hatten den Todesfallzwei Tage lang verschwiegen.

Erst anonyme Anrufer und Victor Ihuegian, Vertreter der Association for Human Rights and Democracy in Africa (AHDA), informierten die Medien. Ein Nigerianer, so mehrere Zeugen, sei bei einer Drogenrazzia verprügelt worden und fünf Tage später plötzlich verstorben. Erst am Freitag wurde vom Innenministerium ein Bericht über den mysteriösen Tod angefordert.


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