Ken, der Rote

Rebellen. London wählte letzte Woche den linkspopulistischen Labour-Rebellen Ken Livingstone zum Bürgermeister. Ausgerechnet Tony Blair bekam dabei die späte Vergeltung für Thatcher zu spüren.

Politik | Robert ROTIFER / London | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Vorigen Herbst hielten die Anhänger Ken Livingstones eine Versammlung in der Camden Town Hall ab. Die üblichen Verdächtigen aus Gewerkschaftskreisen und linker Parteifraktion waren gekommen, um den Mann im schlammgrünen Anzug sprechen zu hören.

Doch bevor Livingstone das Rednerpult erklomm, schlurfte ein unrasierter junger Mann mit einem blauen Auge und einer frisch vernähten Platzwunde auf der Stirn in ausgewaschenen Jeans auf die Bühne. Er war kaum als Damon Albarn, Sänger der Popband Blur, zu erkennen: "Ich hab nicht wirklich was zu sagen", murmelte Albarn ins Mikrofon, "aber es ist eine Schande, wie unfair Ken Livingstone von New Labour behandelt wird." Plätscherndes Klatschen der von der Erscheinung eines verfilzten Popstars wenig beeindruckten Aktivisten, gefolgt von peinlicher Stille.

Albarn kündigt Livingstone an und streckt seine Hand in Richtung des Bühnenrands aus. Doch entgegen der Choreographie betritt der Mann in Schlammgrün von der anderen Seite her die Bühne,


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