"Ich war eine Krätzn"

Geburtstagsgespräch. Priester, Kirchenkritiker, "Club 2"-Moderator, erfolgreicher Schriftsteller: Adolf Holl, der am 13. Mai 70 Jahre wird, sprach mit dem "Falter" über sein lebenslanges Priestertum, die schwindende Bedeutung des Katholizismus, über "Vera" und seine berühmten Fleischlaberln.

Kultur | Klaus Nüchtern und Armin Thurnher | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Beinahe hätte sich Adolf Holl einen Computer gekauft. Bis ihm klar wurde, dass ihm dieser seinen Blick auf seine im Viertelstundentakt schlagende goldene Wanduhr verstellen würde. Außerdem leuchten Computer und mahnen auf diese Weise permanent höchst indezent zur Arbeit. Also ist Holl bei seiner jahrzehntealten Olympia geblieben. Noch nie habe sich ein Verlag beschwert, allenfalls die VHS Großrussbach fordere Disketten ein. Kriegt sie aber nicht. Rund eine Buchseite täglich schreibt Holl. Mittlerweile sind es deutlich über zwei Dutzend Bücher, die der Theologe und Soziologe publiziert hat. Mit "Jesus in schlechter Gesellschaft" (1971), in dem er Jesus als Außenseiter im Umfeld von Kranken, Kriminellen und Huren zeigt, machte Holl Furore und exponierte sich als Kritiker einer Institution, die Jesus laut Holl nie gründen wollte: der Kirche.

Holl wurde das Priesteramt entzogen. Obgleich "amtsbehindert", gehört er auch heute noch der Erzdiözese Wien an, ist mittlerweile sogar zum


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