Was vom Tanz übrig bleibt

Festwochen-Ausstellung. Merce Cunningham, dem wichtigsten Choreographen der amerikanischen Moderne, ist im 20er-Haus eine Retrospektive gewidmet.

Kultur | Helmut Ploebst | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Man kann Merce Cunninghams Kunst nicht ausstellen. Die Werke des wichtigsten lebenden amerikanischen Choreographen sind Vergangenheit. Von seinen ephemeren Tanzperformances bleibt nichts, außer einigen Relikten, Fotos und Videos. Kurator Germano Celant hat mit diesem "nichts, außer" ein wenig gespielt und aus diesem Spiel eine Ausstellung gemacht, die jetzt im 20er-Haus zu bestaunen ist.

Cunningham gelang es, die Kunstform Tanz am Ende der Moderne radikal umzudeuten. Die Ausstellung setzt in den Vierzigern ein, als der heute 81-Jährige als Tänzer bei Martha Graham reüssierte. Mrs. Graham, die Domina des amerikanischen Ausdruckstanzes, pflegte sich mit heroischem Pathos in die Walstatt der wahren Emotion zu werfen, zum Beispiel 1930 in ihrem berühmten Solo "Lamentation". Die Graham spielte, in einem Stretchkleid auf einer Bank sitzend, getragen und inbrünstig ein enormes Leiden. Von solch psychologisierender Deutung des Tanzes - und der Graham - wandte sich Merce Cunningham 1945 ab


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