Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Nicht nur von Kuratoren und Museumsdirektoren werden dieser Tage klare und doch nicht banale künstlerische Statements gegen den Rechtsruck in Österreich herbeigesehnt. Vielleicht ist es gerade dieser Druck, der es Künstlern heute so schwer macht, Politiker und Krone auf ähnliche Weise zu provozieren wie in früheren Jahrzehnten. Eine Einführung in diese spezifische Art österreichischen Kulturkampfes bietet der französischen Öffentlichkeit die Ausstellung "Widerstand: Art et Politique en Autriche" in Paris. Frühe Nitsch-Aktionen, Brus-Poster zur "Uni-Ferkelei" und Hrdlickas Waldheim-Pferd stehen hier neben kritischen Arbeiten jüngerer Künstler wie Linda Bilda, Klub Zwei und Lukas Pusch. Das Bindeglied zwischen den zwei Generationen bildet für die Kuratoren Anna Artaker und Gerhard Frommel das vom Pornojäger Humer mit roter Farbe attackierte Bild "Apokalypse" von Otto Mühl (auf dem sich in weiser Voraussicht neben Mutter Theresa und Bombenbauer Fuchs auch schon Franz Morak tummelt!). Kunstterrorist Alexander Brener, der schon einen Malewitsch mit einem Dollarzeichen besprüht hat, lieferte zur bestellten Performance auch gleich seine Kritik an der Ausstellung: zusammen mit Barbara Schurz schrieb er auf die Wände der Galerie, dass Widerstand nicht zu repräsentieren sei, Mühl und Nitsch patriarchale Künstler darstellten und der Neoliberalismus überhaupt an allem schuld sei.

Die Wiener Exkursion "Real - Crime" bietet die Möglichkeit, mehr über die Zusammenhänge von Verbrechen und Architektur zu erfahren. Der Verbrecher als Phantasma stellt bis heute eine gesellschaftliche Produktivkraft dar, die ihren Niederschlag u.a. in Stadtplanung und Sicherheitstechnik findet. Michel Foucaults Analysen in "Überwachen und Strafen" zur Entstehung der Kontrollgesellschaft bilden den Hintergrund der Führung und des anschließenden Symposiums.

Info: www.realcrime.at, Anmeldung: oegfa@aaf.or.at


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