Stadtrand: Deppengeschwätz

Stadtleben | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Je mehr Zeit man aus Sommergründen im Freien verbringt (Straße, Insel, Schanigarten), desto mehr ist man den Kommentaren der vereinigten Plaudertaschen ausgesetzt. Und da dank Mobiltelefon und Freispreche die Menschheit auch in der Einzelausgabe spricht, gibts im öffentlichen Raum mehr Deppengeschwätz ((c)Zladtko) than ever. Und das gehört natürlich aufs Heftigste kommentiert. Oder wie soll man sonst reagieren, wenn zum Beispiel ein gepflegt gekleideter Geschäftsmann auf der Kärntner Straße ins Handy säuselt "Ich kann nicht vorbeikommen, Schatz, ich bin grad am Reumannplatz"? Den Mann als Verirrten aufklären oder einen Lügner strafen? Was ist mit der tussig gekleideten Frau, der angesichts eines zugedröhnten Junkies auf der Mariahilfer Straße, der torkelnd Zigaretten und Feuer schnorrt, nichts Besseres einfällt, als kichernd "Ich nehme das Gleiche, was der hat" zu sagen? Wohl zu viel "Harry and Sally" gesehen (und was falsch verstanden)?

Der TV-Sender ATV treibt das allgemeine Gassengelalle auf die Spitze, indem Passanten dort direkt in Kameras seiern dürfen. Als ob es irgendwen interessiert, dass Babsi die Moni "urlieb" findet oder irgendwer seine Eltern in Bochum grüßt. Ein Mittel gegen Deppengeschwätz? Ohren zu und durch. C. W.


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