Comandantina Dusilova: Zebras und die Hypnose

Stadtleben | aus FALTER 19/00 vom 10.05.2000

Sonntag war ich das erste Mal seit unendlich langer Zeit im Tiergarten Schönbrunn. Nüchterne Väter und texanische Witzezeichner haben dort täglich Umgang, nicht aber einfache Comandantinas. Wie es sich für einen Tiergarten gehört, fauchte schon die Dame am Eingang durch die Gitterstäbe ihrer Kassa und zweifelte an der Seriosität meiner Mission: "Des kennans ana ondan dazöhn, dass sie on an Sunndoch reschaschiean miassn. Die Dseidung mechat i seng ..." Wer den Tiergarten Schönbrunn wie ich zuletzt als Kind besucht hat, findet sich in der kleinen Gefängnisstadt nur mehr schwer zurecht. Früher, da kannten wir schon am strengen Geruch, dass der Käfig mit den unanständigen Äffchen nicht mehr weit sein konnte. Und am Brüllen der Zebras ermaßen wir deren Sehnsucht nach den unendlichen Steppen Afrikas. Pechlahner, der zuständige Obertierwärter, arbeitet zweifelsohne mit New-Age-Methoden, denn anders lässt sich nicht erklären, dass meine geliebten Zebras sich heute stoisch wie Meerschweinchen dem Gefangensein in einem sandkistengroßen Gehege fügen. (Kann man Sehnsucht vielleicht sogar weghypnotisieren?) Toll habens allerdings die faulen Geparden, so fand ich, die haben einen hochmodernen Jausenlift und Panoramafenster.


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