Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

... wurden Berichte von Betroffenen der unzähligen Polizeiübergriffe veröffentlicht.

Schoko-Heinz als Giftzwerg Als wir noch im Vorraum auf unsere Einlieferung in die Zellen warteten, kam der Bezirksvorsteher, begrüßte uns, beteuerte, dass es ihm sehr, sehr leid täte, dass das Fest so endete und was uns denn eingefallen sei, ein Feuer zu machen und warum wir festgenommen worden seien? Dann fragte er jeden nach seinem Beruf. Ich sagte, Student, worauf er zynisch fragte, ob in Soziologie. Nein, Philosophie, sagte ich, worauf er mich fragte, ob ich den kategorischen Imperativ kenne. Dann ging er zum Nächsten usw., dann die ganze Reihe nochmals durch und fragte einen anderen, einen Schüler aus der HTL, warum und wo er festgenommen worden sei, und als der sagte, ein Polizist habe ihn gestoßen, antwortete Bezirksvorsteher Heinz: "Aber so was tut doch ein Polizist nicht!" Als er wieder bei mir war, fing er an, von LSD und Herointrips zu reden und sagte, dass ich das sowieso alles kennen würde. Ich antwortete, dass ich auf eine Untersuchung bestehe, wenn er damit sagen wolle, dass ich rauschgiftsüchtig sei. Er gab mir zur Antwort, dass ich froh sein müsse, nicht soetwas über mich ergehen lassen zu müssen. Ich wollte schon die Ärmel hochziehen und sagte, dass ich auch das Hemd ausziehen könnte um zu zeigen, dass ich keine Einstiche habe. Dann sagte Heinz, es könne ganz leicht passieren, dass ich auf keiner Hochschule in Österreich mehr studieren dürfte, dann könnte ich ins Ausland oder zu den Terroristen gehen, wie er so schön formulierte. Zum Schluss sagte er: "Wir werden uns ja noch sehen. Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie." Dann sagte er noch irgendetwas vom Dekanat auf der Uni.


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