Peter Pilz im Interview: "Wie auf der Bude"

Politik | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Falter: Sie halten den Rekord an Ordnungsrufen. Warum sind Sie so böse?

Peter Pilz: Ich war immer ein höflicher und liebenswürdiger Mensch. Die Gründe für die Ordnungsrufe sind andere. Auf der einen Seite gibt es die galoppierende Infantilisierung der politischen Sprache mit einem Kanzler, der nichts dagegen hat, wenn man ihn als Strolchi bezeichnet. Auf der anderen wird der Vorsitz vor allem durch Thomas Prinzhorn missbraucht, der für "rassistisch" oder "rechtsextrem" automatisch Ordnungsrufe austeilt. Prinzhorn führt das Parlament wie die Bude einer schlagenden Burschenschaft.

Sie waren doch schon in ihrer ersten Parlamentskarriere ein berüchtigtes Schandmaul.

Damals hatte ich eine etwas andere Ausdrucksweise. Die Zustände in Parlament und Politik waren damals für mich viel überraschender und noch weniger erträglich als heute. Außerdem waren wir noch sehr außerparlamentarisch geprägt.

Waren Sie nie beim Ellmayer?

Ich habe meinen Tanzkurs in einem Brucker Gasthaus, das nach dem Turnvater Jahn benannt war, absolviert. Die Mischung Tanzen und Turnvater war mir so sympathisch, dass ich diese Veranstaltung bald boykottiert habe.

Wenn es keine Ordnungsrufe gäbe: Gibt es einen Politiker, den Sie gerne etwas Bestimmtes heißen würden?

Nein, da fallen mir nur lauter liebe Sachen ein.


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