Das so genannte Opfer

Justiz. Wie eine missbrauchte Frau von Justiz und Polizei verspottet, vertröstet und von ihrem eigenen Anwalt fast "durch den Gerichtssaal gejagt" wurde. Chronologie eines Wiener Vergewaltigungsprozesses.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

"Der Mensch in seinem Glanze wird ein Zeuge, der zu warten hat."

Walther Rode Niederschrift aufgenommen mit Müller Maria* Sekretärin, 23.10.1978 Linz geb., öst. Stbg., led., in Wien 4, Mühlgasse 7, wohnhaft, Eltern Marianne und Peter, die nach Wahrheitsermahnung und Belehrung ihrer Rechte zur Sache als Zeugin befragt wird."

Maria, eine lebenslustige Frau, sitzt in einem Wiener Cafe und zieht aus ihrer Tasche ihren zentimeterdicken Akt. "Anzeige wegen Verdachtes der Vergewaltigung" steht da drauf. Drinnen liegt das dicke Polizeiregister des Täters:"Mehrmalige Körperverletzung im häuslichen Bereich." Sein häuslicher Bereich wird durch polizeiliche Polaroidfotos der "Tatortwohnung" festgehalten. Eine kleine abgewohnte Gemeindewohnung. Eine ausgezogene Couch. Schmutziges Bettzeug.

In ihrer Tasche trägt Maria auch zwei große weiße Plastikdosen. Vollgefüllt mit bunten großen Kapseln, die man nur mit viel Wasser runterkriegt. Schwere Hormonbomben, die ein Frauenarzt verschrieben


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