Der zweite Tote

Polizei. Nur einen Tag, nachdem ein Afrikaner an einer Überdosis verstorben ist, kam ein weiterer Drogensüchtiger in Polizeigewahrsam ums Leben. Sind Polizeiärzte ausreichend über Drogen informiert?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Ein tragischer Einzelfall", versicherte Polizeipräsident Stiedl vergangenen Dienstag bei einer Pressekonferenz. Das Polizeipräsidium nahm gerade zu einem Todesfall in der Justizanstalt Erdberg Stellung. Ein Afrikaner starb an aufgeplatzten Drogenkugeln, die er vor seiner Festnahme schluckte. Obwohl die Polizei laut internem Bericht den "dringenden Verdacht" hegte, dass der Mann schweres Gift im Magen trug, wurde er nicht ins Spital gebracht. "Auch die Justiz", so Gerhard Litzka, Sprecher des Justizressorts, "wurde nicht informiert." Die Polizei begnügte sich damit, den Mann in eine Zelle und auf ein Spezialklo zu setzen, um seine Drogenkugeln sicherstellen zu können. "Die ärztliche Betreuung", so Polizeichefarzt Reinhard Fous, "war ausreichend, mehr konnten wir für den Mann nicht tun." Ein Einzelfall also? Was der Polizeichefarzt und der Polizeipräsident den Medien seltsamerweise verschwiegen: Nur einen Tag, nachdem der Afrikaner an einer Überdosis gestorben war, verstarb ein zweiter


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