Bedient: Schwule Ratten

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Schwule habens nicht so leicht mit der österreichischen Justiz. Elf Männer sitzen in Haft, weil ihre freiwilligen schwulen Partner unter 19 Jahre alt waren. Doppelt so viele wie letztes Jahr. Nun liegt ein neues Urteil vor, das der Wiener Rechtsanwalt Thomas Prader als "eminent politische Entscheidung" bezeichnet. Es stellt die Aufforderung, Schwule mit Nazimethoden zu bekehren, straffrei. Rückblick: Professor Diemann, ein bekennender Katholik, hat in der Zeitschrift "Der 13." einmal ein bisschen gegen Schwule geschrieben und gewarnt, dass "die Homosexuellen jetzt überall wie Ratten aus ihren Löchern kriechen und von Politikern und Kirchenleuten liebevoll gefüttert werden". Deshalb sollten sich "Bürgerwehren im Kampf gegen die organisierte, staatlich privilegierte Unzucht" bilden und "die geschlechtsspezifische Zurechtweisung mit Peitsche und Ochsenziemer" vornehmen. Denn "wer Nazimethoden praktiziert, sollte mit ebensolchen konfrontiert werden". Öffentlich bekennende Lesben und Schwule wie Günter Tolar, die Grüne Ulrike Lunacek und viele mehr haben Kurt Diemann geklagt. Im Zivilverfahren haben sie in erster Instanz Recht bekommen: "Ohne jeden Zweifel" seien die Kläger in ihrem wirtschaftlichen Ruf und in ihrer Ehre verletzt. Und im Strafverfahren? Die Herren des Obersten Gerichtshofes haben ein Machtwort gesprochen: Das Konfrontieren Homosexueller mit Nazimethoden, wie Diemann es gefordert hatte, "stellt keinerlei ehrenrührige Angriffe gegen einen der Privatkläger des Verfahrens" dar. Eine üble Nachrede oder Beleidigung liege nicht vor. Das ist bekanntlich erst beim Wörtchen "Lump" der Fall.


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