Nullpunkt des Theaters

Festwochen. Richard Maxwell, Darling des New Yorker Off-off-Broadway, präsentiert sein radikal untheatralisches Theater erstmals in Wien.

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Ein Schritt kann ein Leben verändern. Ein Schritt, und die Mutter steht neben dem Mörder ihrer Familie. In einer Inszenierung, in der Nebeneinanderstehen das Höchste der Gefühle ist, hat ein einziger Schritt viel zu bedeuten und kann tatsächlich das Schicksal besiegeln. Am Anfang stehen vier Personen reglos und linkisch vor einer schäbigen weißen Souterrainwand mit einem kleinen Fenster und einem Münztelefon - alles von Neonröhren an der Decke grell ausgeleuchtet. Am Ende steht nur mehr die Mutter in ihrer Jogginghose und der Mörder in seinem Siebzigerjahre-Anzug; Vater und Sohn liegen tot am Boden. Eine Familie wurde nahezu ausgerottet, aber sonst ist so gut wie nichts passiert. Was war eine Stunde lang auf der Bühne überhaupt los? Fragen über Fragen.

Der 31-jährige Amerikaner Richard Maxwell - Autor, Komponist und Regisseur in einer Person - hat Erklärungsbedarf: Wie soll man einen Autor verstehen, der staubtrocken Horrorszenarien aus Suburbia erzählt? Einen Komponisten,


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