Junge Möwe, alte Spatzen

Festwochen. Sensation nach Vorschrift: Luc Bondy inszeniert Tschechows "Möwe" im Akademietheater.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Dass das Stück "Die Möwe" heißt, ist ein Witz. In diesem Titel schwingen wilde Ozeane und schwerelose Freiheit mit; Tschechows "Komödie" aber spielt nicht am Meer, sondern an einem kleinen See bei Moskau, und die Menschen, die hier vom Fliegen träumen, stürzen ab, ohne jemals abgehoben zu haben. Im Garten des Landguts steht eine kleine Freiluftbühne, auf der im ersten Akt ein Stück aufgeführt wird; eine Bühne auf der Bühne, die in Luc Bondys Inszenierung der "Möwe" zwei Drittel der Spielfläche einnimmt. Die Bühnenbretter sehen aus wie Planken, und der Vorhang erinnert an ein gehisstes Segel: Schiff ahoi! Aber leider herrscht Windstille.

"Die Möwe" ist ein Generationendrama unter Künstlern beziehungsweise ein Künstlerdrama zwischen den Generationen. Im Zentrum der Handlung stehen eine ältere und eine junge Schauspielerin (Arkadina und Nina) sowie ein älterer und ein junger Schriftsteller (Trigorin und Konstantin), die miteinander durch ein komplexes Beziehungsgeflecht aus


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